Aufruf
Fördermitglieder und Spender*innen gesucht!
Die Themen Resilienz und Druck begleiten uns schon länger in unserer Arbeit – nun ist auch unser Projekt akut bedroht.
Text: Lukas Perka
das Schwerpunktthema unseres Jahres hieß Zivilgesellschaft unter Druck: Wie können wir angesichts der sich zuspitzenden politischen Bedingungen resiliente Strukturen aufbauen?
Nun trifft uns als Konfliktpotential die finanzielle Unsicherheit mit voller Wucht: Der Folgeantrag für unser aktuelles Projekt, über das in den letzten vier Jahren unsere Stellen finanziert waren, wurde infolge eines stark gekürzten Programmbudgets abgelehnt. Auch von Förderalternativen haben wir bislang nur Absagen erhalten; einige Strohhalme gibt es noch, aber Stand jetzt gehen wir mit Null Euro Förderung ins nächste Jahr.
Diese neue Realität hat uns vor sehr grundsätzliche Ausrichtungsfragen gestellt. Wie gehen wir damit um, dass wir für unsere Arbeit in ihrer aktuellen Form auf die Förderung durch öffentliche Gelder angewiesen sind, die in den Bereichen Demokratieförderung, Integration und Bildung gerade massiv gekürzt werden? Sollten wir unseren Fokus zukünftig auf die Arbeit mit finanziell besser aufgestellten Organisationen verschieben, um unsere Abhängigkeit von Fördermitteln zu senken? Nach Diskussion der verschiedenen möglichen Wege sind wir bei einem eindeutigen Ergebnis herausgekommen: Unser Herz schlägt für die Arbeit mit der progressiven Zivilgesellschaft; wir sind von ihrer Bedeutung für die Gestaltung der gegenwärtigen Veränderungen überzeugt – und wir werden entsprechend auch mit wachsender Prekarität unsere Angebote weiterhin im Kern für zivilgesellschaftliche Organisationen arbeiten.
Um diese Arbeit finanzieren zu können, setzen wir neben moderat steigenden Beiträgen für unsere Angebote und verschiedensten Förderanträgen, die wir aktuell stellen, auf: euch! Ab sofort könnt ihr Konfliktpotential-Fördermitglieder oder -Spender*innen werden und damit unsere Arbeit zur Stärkung der ostdeutschen Zivilgesellschaft unterstützen! Seminare und Beratungen mit kostendeckenden Beiträgen sind für die meisten kleinen und mittelgroßen Organisationen nicht finanzierbar. Durch eine regelmäßige finanzielle Unterstützung ermöglicht ihr Vereinen und Initiativen in Sachsen und darüber hinaus, weiterhin unsere Angebote wahrzunehmen – und ihr ermöglicht uns, auch in Zeiten der staatlichen Schwerpunktsetzung auf Militärausgaben und Großkonzernförderung unserer Arbeitsweise und unser Zielgruppe treu zu bleiben!
Martina Glass vom Netzwerk für demokratische Kultur aus Wurzen und Solvejg Höppner vom Kulturbüro Sachsen haben bei unserem Fachtag zu zivilgesellschaftlicher Resilienz im September 2025 für mich eine inspirierende Haltung in der gegenwärtigen Krisensituation verkörpert: gelassen, überzeugt und als Zivilgesellschaft aufeinander bezogen. Ja, die gesellschaftlichen Entwicklungen sind gefährlich und machen uns Angst, wir werden als Zivilgesellschaft teils offen angefeindet und unter Druck gesetzt. Und dennoch: Uns wird es auch morgen und übermorgen noch geben; wir haben Netzwerke, wir haben Räume, wir haben Überzeugungen, die nicht so leicht zum Verschwinden gebracht werden. Es ist wichtig, dass es uns weiterhin gibt, denn wir sind wirksam. Wir als Zivilgesellschaft sind in gesellschaftlichen Umbrüchen die Instanz, die zwischen Politik und Bürger*innen vermittelt, die für eine partizipative und werteorientierte Gestaltung der Veränderung sorgt. Wir werden gebraucht.
»Uns wird es auch morgen und übermorgen noch geben; wir haben Netzwerke, wir haben Räume, wir haben Überzeugungen, die nicht so leicht zum Verschwinden gebracht werden«
Und vielleicht das Wichtigste, was Solvejg und Martina aus ihrer Erfahrung von über 15 Jahren zivilgesellschaftlicher Arbeit transportiert haben: Wir halten zusammen. Druck auf die Zivilgesellschaft ist kein neues Phänomen in Sachsen. Seit Jahrzehnten pflegen Vereine und aktive Einzelpersonen Netzwerke, die mehr sind als lose Zusammenschlüsse auf dem Papier. Wir erleben diesen Zusammenhalt in unserer finanziell prekären Situation grade selber: Veranstaltungsräume bieten uns Seminarräume zur kostenlos oder stark reduzierten Nutzung an; Trägern, die Ablehnungsbescheide beim gleichen Programm wie wir erhalten haben, teilen ihre Informationen aus Telefonaten mit dem Ministerium mit allen anderen abgelehnten Projekten; wir bekommen Hinweise auf Ausschreibungen und Postkarten mit viel Wertschätzung und Dank für unsere Arbeit.
Wir spüren, dass Beziehung, Austausch und Verbundenheit und somit auch die Pflege unserer Netzwerke auch für uns an Bedeutung gewinnt, je schroffer die äußeren Umstände sind, in denen wir wirken. Wir werden im neuen Jahr verstärkt in Sachen Vernetzung unterwegs sein – wenn ihr etwas organisiert oder euch etwas begegnet, ladet uns gerne ein!
Meldet euch außerdem gerne mit Anfragen, Rückmeldungen und Hinweisen zu unser Arbeit, abonniert unseren Newsletter, um auf dem Laufenden zu den weiteren Entwicklungen zu bleiben, oder teilt unseren Spendenaufruf – wir freuen uns, in Verbindung zu sein!