Landtagswahlen 2026

Mutig bleiben! Was wir nach der Wahl in Sachsen-Anhalt tun können

Es war keine Überraschung, aber dann dennoch ein Schock: 43,8 Prozent der Wähler*innen in Sachsen-Anhalt haben letztes Wochenende für die AfD gestimmt – eine antidemokratische Partei, die Minderheiten ihre Grundrechte verwehren will. 

Text: Julia Boehme

Unsere Öffentlichkeitsarbeits-Referentin Julia teilt ein paar Überlegungen, wie wir trotz allem für uns und einander sorgen und politisch handlungsfähig bleiben können – dafür braucht es nicht unbedingt viel.

Schon jetzt ist klar, wer von diesem Ergebnis am stärksten betroffen sein wird: Geflüchtete, schwarze, queere Menschen, Migras, People of Color, Menschen mit Behinderungen und demokratiefördernde (Sozio-)Kulturschaffende. Auch wenn die Regierungsbildung noch in den Sternen steht: Wir haben Angst – um unsere Freund*innen vor Ort und um unsere Projekte. Noch bevor wir ins Handeln kommen, ist es wichtig, unseren Gefühlen Raum zu geben: Ob Leere, Wut, Verzweiflung, Angst oder Ohnmacht: Lasst uns tief durchatmen, uns sammeln und gemeinsam überlegen: Was können wir jetzt tun?

Tätig werden – engagiert bleiben

Wir müssen ins Handeln kommen – im Großen wie im Kleinen – um unsere Demokratie nicht nur zu erhalten, sondern zu stärken und sie resilienter werden zu lassen – für eine offene, vielfältige und tolerante Gesellschaft und ein demokratisches Miteinander. Ob Initiativen vor Ort, lokale Vereine, oder ein kleines Nachbarschaftsprojekt –  es gilt nun, die Demokratie mit hochgekrempelten Ärmeln zu unterstützen: Durch Positionierung im öffentlichen Raum, durch Spenden, selbst aktiv werden, oder durch unsere Teilnahme an Demonstrationen. Was uns auch stärkt: Uns nicht nur gegen etwas einzusetzen, sondern uns auf das zu fokussieren, was wir für uns wollen, auf unsere Vision.

Beziehungen stärken – aufeinander achten

Auch wenn wir gerade Angst haben, wissen wir: Engagement hilft, Ohnmachtsgefühle abzubauen. Schon kleine Dinge im direkten Kontakt sind hilfreich, wie z.B. wie die Nachfrage, was Strukturen und Personen vor Ort benötigen oder für mehr Sichtbarkeit der Projekte sorgen. Die Sozialpsychologin Pia Lamberty hat verschiedene Strategien zusammengefasst, die uns dabei helfen können, mit gesellschaftlichen Belastungen umzugehen:

– auf das Fokussieren, was beeinflussbar ist
– gut auf uns selbst achten
It is okay to not be okay

– Kontakt und Austausch suchen
– Versuchen, ruhig zu bleiben
– Unterstützung suchen, wenn alles zu viel wird

Manchmal braucht es dafür gar nicht viel: einen gemeinsamen Austausch, der Orientierung und Halt gibt, das Entwickeln konstruktiver Perspektiven oder ein kurzes Einchecken bei Freund*innen. Denn nach wie vor gibt es eine Mehrheit, die nicht rechts gewählt hat. Und auch sie braucht jetzt unsere Unterstützung – lasst uns füreinander da sein!

Mit Spenden unterstützen

Die Lage für zivilgesellschaftliche Projekte ist angespannt. Die AfD will z.B. Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus sowie Stellen für Gleichstellungsbeauftragte einstampfen. Ende 2026 verlieren zahlreiche Demokratie-Projekte frühzeitig ihre Förderung aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!”. Mit Spenden oder Fördermitgliedschaften können lokale Organisationen Zeit gewinnen, um neue Geldgeber*innen zu finden und ihre Arbeit kurzfristig im Falle von gestrichener Förderung zu sichern. Spendet am besten für die Arbeit, zu der ihr den größten Bezug habt bzw. deren Erhalt euch besonders am Herzen liegt – egal ob es um die Absicherung unserer Arbeit bei Konfliktpotential (lest hier unseren Aufruf Unterstützer*innen gesucht!) geht oder um den Erhalt von Organisationen in Sachsen-Anhalt, wie z.B.:

Polylux Network
Mobile Opferberatung Sachsen-Anhalt
Lambda Landesverband Sachsen-Anhalt
Lamsa e.V.
Halle gegen Rechts
WIR Festival
losmachen e.V.
Stadtwohnzimmer Wittenberg
Radio CORAX
sowas e.V.

Vernetzen – resilienter werden

In Ungarn oder auch in Polen gab es bereits autoritäre Regierungen, die erst nach langer anstrengender Zeit mit Ausdauer, Vernetzung und gemeinsamem Widerstands derart bedrängt werden konnten, dass sie scheiterten. Das zeigt: Es braucht Durchhaltevermögen. Bereits jetzt ist Wissensaustausch, gegenseitige Unterstützung und der Aufbau von langfristigen Supportnetzwerken hilfreich. Was brauchen wir, um das gemeinsam durchzustehen? Es ist auch gut, sich auf mögliche Szenarien gut vorzubereiten, um handlungsfähig zu bleiben, z.B. mit dem Fragenkatalog vom Verein Zukunft Demokratie. Resilienter werden – darum geht es jetzt mehr und mehr. In der kommenden Zeit bietet beispielsweise das Kulturbüro Sachsen Workshops in verschiedenen Städten zum Thema Anfeindungen an (Souverän reagieren auf menschenfeindliche Äußerungen) an. Auch bei Konfliktpotential haben wir uns in der jüngsten Vergangenheit schon viel mit der Frage beschäftigt, wie wir krisenfester werden können und helfen Organisationen mit Beratungen in akuten Krisen  (bis Ende des Jahres haben wir auch noch vergünstige Kontingente, fragt uns gern an!) Ganz aktuell bieten wir  in Kooperation mit dem Konzeptwerk Neue Ökonomie die Workshopreihe Gestärkt durch die Krise! zur Stärkung der Zivilgesellschaft in rauen Zeiten an. Seid dazu alle herzlich eingeladen nach Leipzig!

Solidarisch sein, nicht die Zuversicht verlieren, weitermachen!

Foto: Johannes Schenk / Unsplash